Schauspiel des Geistes
Am Sonntag, den 24. Juni 2012 findet in der historischen Kulisse des Kaiserbahnhofs in Potsdam ein außergewöhnliches Event statt, bei dem Schachspieler aus drei Generationen ihre Kräfte messen und dabei außergewöhnliche Gedächtnisleistungen vollbringen werden: Gemeinsam treten der Schachgroßmeister Vlastimil Hort, der Weltrekordhalter im Blindsimultan Marc Lang und der erst 15-jährige Weltklassespieler Rasmus Svane gegen sechs hochtalentierte Jugendliche aus dem Förderkader des Deutschen Schachbundes zu einem Match an. Die besondere Herausforderung daran ist: Die Meisterspieler müssen alle 6 Partien gleichzeitig blind, also ohne Ansicht des Brettes und der Figuren bestreiten und sie müssen dabei jeweils abwechselnd ziehen, dürfen sich dabei jedoch nicht untereinander beraten oder sonst irgendwie miteinander kommunizieren. Eine enorme Gedächtnisleistung ist hierbei von Nöten, denn die Blindspieler müssen stets alle Partien im Gedächtnis behalten und gleichzeitig versuchen, die Strategien und Pläne ihrer Mitstreiter zu erfassen und verstehen.
Unten stehend sehen sie ein Schema des Ablaufes der Partien der Blindveranstaltung. Die Meisterspieler führen an allen Brettern die weißen Steine. Großmeister Hort spielt gegen Hanna Maria Klek den ersten Zug, Marc Lang den zweiten, Rasmus Svane den dritten und schließlich wieder Vlastimil Hort den vierten, wonach sich die Abfolge wiederholt. An den anderen Brettern verläuft es analog, nur mit dem Unterschied, dass Lang und Svane je zweimal die Partien eröffnen.
Ablaufschema (zum Vergrößern anklicken):
Ein so genanntes "Tandem-Blindsimultan" mit drei Spielern ist ein völlig neues Wagnis. Der letzte Versuch fand 1934 in Antwerpen statt, mit niemand geringerem als dem damaligen Weltmeister und wohl besten Blindschachspieler aller Zeiten, Alexander Aljechin, sowie dem späteren Weltrekordhalter im Blindsimultan George Koltanowski. Letzterer bezeichnete den Wettkampf später als das schwierigste Blindsimultan seines Lebens und wenn man sich durch die überlieferten Partien klickt, findet man diesen Eindruck bestätigt, denn die beiden Weltklassespieler konnten die Amateure nur mit viel Glück am Ende mit 4:2 besiegen.

